Homepage des Bergmannsvereins Glück Auf Fischbach-Camphausen 2000 eV

Ehem. Grube und Siedlung Camphausen


Die Abteufung der Tiefbauschächte 1 und 2 im Fischbachtal begann 1871, 1874 kam noch ein dritter Schacht hinzu. Der Name „Grube Camphausen“ entstand 1874 anläßlich eines Besuches des damaligen preußischen Finanzministers Otto Camphausen. Die regelmäßige Kohleförderung der Grube begann schließlich 1877. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde der Absatz der Kohle wesentlich verbessert. Am 17. März 1885 kam es beim Abteufen weiterer Schächte zu einer schweren Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion, die 180 Tote und 30 Verletzte forderte. Ein Brand in einem Fördermaschinengebäude im September 1895 führte zur vorübergehenden Einstellung des Förderbetriebes. Die Belegschaft wurde derweil auf die Nachbargruben verlegt. Sehenswert an der Grube Camphausen ist der Schacht Camphausen 4, mit dessen Abteufung 1908 begonnen wurde. Man entschied sich hier aus Platzmangel für den beispiellosen Bau des ersten Eisenbeton-Förderturmes der Welt. Dieses Bauwerk, das heute noch unverändert existiert und erstaunlich gut erhalten ist, war zur damaligen Zeit eine technische Meisterleistung. Der Turm steht auf vier Stützpfeilern, die 11 Meter tief bis auf den festen Fels hinabreichen. Auf den Pfeilern stehen die Stahlbetonstützen. Der Turm hat eine Grundfläche von 9,30m x 24m und eine Gesamthöhe von 40,70m. In der obersten Etage befinden sich die beiden elektrischen Fördermaschinen von AEG mit einer Leistung von jeweils 1740 KW. In den beiden seitlichen Erkern saßen die Fördermaschinisten. Der Turm wurde sehr stark dimensioniert, da er nicht nur die hohen ruhenden Lasten in Form der Fördermaschinen und anderer Geräte tragen mußte, sondern auch für sehr große Förderlasten konzipiert war. Die Tatsache, dass es mit dem 1912 in Betrieb gegangenen Förderturm nie Probleme gab und er auch heute noch voll funktionsfähig ist, spricht für die damalige Ingenieursleistung. Am 1. Januar 1990 verlor Camphausen seine Eigenständigkeit und wurde Teil des neuen Verbundbergwerks Reden-Camphausen. Die letzte Förderung im Feld Camphausen erfolgte im November 1990.


Die Siedlung Camphausen

Südöstlich der Grube befindet sich die Siedlung Camphausen. In der Heinitzstrasse entstanden 1890/91 zunächst drei Villen und zwei Direktorenhäuser. Die Architektur dieser Gebäude ist stark von der Gründerzeit geprägt. Die Häuser stehen auf grosszügig bemessenen Grundstücken und sind durch zum Teil heute noch vorhandene gusseiserne Zäune eingefriedet. In Verlängerung der Heinitzstrasse entstand in der heutigen Maybachstrasse sowie in der Dudweilerstrasse zwischen 1890 und 1910 die sogenannte Beamtensiedlung der Grube Camphausen, die eigentliche Siedlung Camphausen. Es wurden hier vorwiegend Doppelhäuser errichtet. Die meisten Häuser verfügten über Mittelrisaliten (Gebäudevorsprünge) und ein auf den Grundstücken separat ste-hendes Wirtschaftsgebäude. Die Hauseingänge wurden je nach Geländesituation unterschiedlich angeordnet. Als Baumaterial verwendete man überwiegend Backsteine sowie Sandstein in den Sockelbereichen. Einige Gebäude sind auch komplett aus Sandstein gefertigt. Neben den dominierenden Doppelhäusern wurden auch einige Einzelhäuser realisiert. Die meisten Wohnungen hatten eine Wohnfläche zwischen ca. 90 und 110 m², was für damalige Verhältnisse mehr als großzügig war und für die privilegierte Situation der Werksbeamten und ihrer Familien spricht. Die Lage der Siedlung - nur ein paar Schritte von der Grube entfernt - ist typisch für derartige Grubensiedlungen im saarländischen Kohlerevier, da man großen Wert darauf legte, dass wichtige Entscheidungsträger für den Betrieb der Grube ständig vor Ort zur Verfügung standen.